Resilienz - nur ein Modewort?

Stressresistenz - Mentaltraining - Innere Stärke

Katarina geht es schlecht. Sie hat zwar von außen betrachtet alles, was sich eine Frau nur wünschen kann: einen Ehemann, zwei Kinder, einen Hund und dazu ein Einfamilienhaus in respektabler Lage. Dazu kommen ein anspruchsvolle Teilzeittätigkeit in der Verwaltung und ein erfülltes Freizeitleben. Und doch nagt da etwas an ihr: sie weiß nicht mehr, wozu sie "das alles tut", wie sie "das alles auf Dauer schaffen soll" und wann "es denn endlich besser wird". 

Wie Katarina geht es vielen Menschen derzeit. Bereits im Jahr 2018 - noch vor der Pandemie und dem Ukraine-Krieg - waren 3,22 Millionen Menschen in therapeutischer Behandlung, Tendenz stark steigend (Quelle: Barmer Arztreport 2020).

Auch auf dem Buchmarkt lässt sich anschaulich ein Zuwachs an Selbsthilfe-Ratgebern, Biographien und Schriften zum breit gefassten Thema Persönlichkeitsentwicklung feststellen. Wir gehen mit Begriffen wie "Trauma, Inneres Kind, Glaubenssätze, Toxische Beziehungen, Stressoren und Trigger" in die innere Nabelschau und tragen unsere Gedanken und Gefühle nur allzu gern nach draußen.

Der Begriff der Resilienz gehört ebenfalls in diese leicht umstrittene Kategorie der Populär-Psychologie. Die einen lobpreisen ihn als Meta-Methode zur Erlangung von innerer Stabiltität und Gelassenheit; die anderen verteufeln ihn als Ausrede von Staat und Politik, die Verhältnisse zu zementieren und die Verantwortung für das Zurechtkommen mit den gesellschaftlichen Umständen allein dem Individuum zuzuschieben. Wahrscheinlich liegt hier die Wahrheit in der Mitte.

Meine Definition von Resilienz:

Resilienz umfasst drei unterschiedliche Ebenen: zunächst existiert eine bestimmte, individuelle Stress-Resistenz bzw. Stress-Belastbarkeit, die jeder Mensch qua Vererbung besitzt (die statische Ebene). Hinzu kommt die Fähigkeit, die eigenen Kräfte durch Mentaltraining weiterzuentwickeln (quasi die dynamische Ebene). Im Ergebnis dann wächst die individuelle Stärke im laufenden Entwicklungsprozess immer mehr an, stellt sich breiter auf und durchdringt Deine ganze Persönlichkeit (die Ziel-Ebene). Im Laufe der Zeit wird es Dir - vorausgesetzt Du bleibst am Ball - immer besser gelingen, im Hier und Jetzt zu sein und die verschiedenen Herausforderungen gelassen anzunehmen und proaktiv anzugehen.

Im obigen Fall-Beispiel würde ich nun mit Katarina folgendermaßen arbeiten:

Katarina muss lernen, sich selbst in verschiedenen Situationen zu beobachten und bewusst wahrzunehmen. Wann genau geht es ihr richtig schlecht? Wie äußert sich dieses Unwohlsein? Was hat sie dazu gebracht bzw. wieso fühlt sie in diesen Momenten so schlecht? Wie nimmt sie in diesen Momenten ihre Umwelt wahr? .... Im laufenden Coaching-Prozess tauchen natürlich viel mehr bzw. anders gelagerte Fragestellungen und sensible Themen auf. Diese Fragen muss Katarina in Ruhe bedenken und für sich beantworten. Sich diesen verschiedenen Themen zu stellen, ist nicht immer leicht. Doch es ist möglich, sofern eine vertrauensvolle, ehrliche und inspirierende Gesprächsatmosphäre existiert. Und immer ist der Leitfaden in meiner Beratung die Kraft der Resilienz, das Bewusstsein um die individuellen Stärken, Entwicklungs- und Veränderungsfähigkeiten des Einzelnen.

Ihr merkt, ich bin ein echter Fan der Resilienz, unabhängig von Zeitgeist bzw. aktueller Strömung. Das Vertrauen in die eigene Kraft und in die Fähigkeit, Veränderungsprozesse selbstbestimmt und pragmatisch zu gestalten, trägt mich seit vielen Jahren durch die verschiedensten Lebensphasen. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es eine Vielfalt an Lebensentwürfen und Lebensplanungen gibt - nicht für jede/jeden von Euch ist das Konzept der Resilienz sympathisch oder nützlich.

Falls Ihr Lust habt und Zeit findet, dann schreibt mir doch Eure Gedanken und Ideen unter info@coaching-spross.de. Ihr seid herzlich willkommen! Alternativ könnt Ihr in meinem Buch "Meiner Familie meine Liebe schenken - Resilienz für den Alltag" erste Impulse zum Thema erhalten.